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Von Bernhard Weitz (mit freundlicher Genehmigung von unterbach.com)

....erinnern wir uns nun weiter der früheren sechziger Jahre dieses Jahrhunderts, die Zeitspanne der Kennedy, Chruschtschow, Adenauer, erster Weltraumfahrt des Menschen und ersten drohenden Weltunterganges in der Kubakrise, wie der Eiserne Vorhang zwischen den Deutschen niederging, vieles mehr geschah, das unser aller Leben recht und schlecht veränderte.
Papst Johannes XXIII. öffnete die Fenster der Weltkirche mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962/65), damit sie „mit jugendlichem und vertrauensvollen Herzen den richtigen Zugang zur Welt“ finde, und rief dazu auf,„...nicht auf überkommenen Bahnen auszuruhen, stets nach neuen Kontakten zu suchen und immerzu auf der Höhe zu sein für die legitimen Forderungen der Zeit, in der wir zu leben berufen sind, damit Christus auf jede Weise verkündet und erkannt werde.“
Damals hatte die Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt zu Unterbach kaum noch Bahnen oder Lorbeeren, darauf auszuruhen. Hilfsvikar Kaplan Herbert Steffens fand bei seiner Pfarrverwaltung (1960/63) überall dringenden Nachholbedarf, erst einmal Überkommenes wiederzubeleben und Kontakte dafür zu suchen und zu finden, um später vielleicht einmal „auf der Höhe der Zeit“ allen berechtigten Ansprüchen entsprechen zu können.
Neuordnendes Aufräumen der inneren und äußeren Pfarrangelegenheiten war das Gebot der Stunde. Aufbruchssignal am 1. Oktober 1960 die Planungserlaubnis des Erzbistums für ein neues Pfarrzentrum. Die Gemeinde besaß dafür, obwohl sonst arm genug, dank früher Vorsorge der Brüder Wittenbruch (1894), ein gut gelegenes und geeignetes Grundstück. Nun galt es, mit Gottes und des Bistums Hilfe, so viel wie möglich darauf zu machen: eine größere Kirche für 350 Besucher, Pfarrbüro, Bibliothek, Kindergarten, Jugendheim, Wohnungen für Küster und Subsidiar, sowie ca. 24 Erbaurechts-Familienhäuser. Wie sehr das alles so lang schon erträumt und erwünscht, uns auch erfreute und ermutigte, so sehr sah die Gemeinde sich nun auch überfordert, auf einmal gleich „alles neu machen“ zu dürfen.
Unverzüglich mußte unser, leicht unbescheiden anmutendes Bauvorhaben auf die „Bahnen“ gebracht werden, bevor etwa höhere Hilfsbereitschaft nachlassen könnte. Gleichzeitig gab es sofort und für die Zeiten der Verwirklichung der Vorhaben noch manchen Mangel und Bedarf, die sich nicht mehr vertrösten und verschieben ließen. Provisorien mußten her, wie des neuangeworbenen Küster/Organist/Chorleiter‘s Rudolf Herbst (1961/88) erste Familien-Wohnung im Schwesternhaus, natürlich separat, eine mietbare Behelfsorgel für die alte endgültig versagende; ein Holzbau des Bistums an der Vereinsstraße, worin - erstmals - Pfarrbüro (Frau Abels), Jugendraum und Sprechzimmer eingerichtet wurden.
Um für das neue Pfarrzentrum und seine Siedlung gute Ideen zu gewinnen, kam es (1961) zu einem Wettbewerb von vier im Kirchbau bewährten Architekten, deren Bauten z.T. besichtigt worden waren. Alle bemühten sich wohl sehr um modernes Kirchenverständnis, berücksichtigten jedoch die liturgischen Anforderungen nicht genug. Architekt Josef Lehmbrock, der den Wettbewerb gewann, erarbeitete im Zusammenwirken mit der Pfarrgeistlichkeit einen neuen Entwurf und übernahm die Ausführung des Gesamtprojektes. Die Bauidee der Kirche, „Zelt Gottes unter den Menschen“ zu sein, und ihre Raumordnung mit dem Altar in der Mitte des „Volkes Gottes“ kam schon den Vorstellungen der konziliaren Liturgieform weit entgegen.
Mit Gottvertrauen sollte sie eigentlich eine freitragende Betonschale überspannen, äußere Vorsicht des Statikers setzte dann aber doch vier stählerne Stützen hinein.
Die dringend notwendig befundene innere Erneuerung der Gemeinde förderte Kaplan Steffens durch „Belebung der Religiosität“ in Gottesdiensten, Andachten, Prozessionen, Religionsunterricht, Krankenbetreuung, Altenhilfen u.a.m. Caritassammlungen führte er wieder ein, er vermißte aber sehr das frühere Unterbacher Vereinsleben, abgesehen vom allzeit-aktiv-gebliebenen Kirchenchor, und damit die anderswo wieder vorhandenen Infrastrukturen kirchlicher Verbände und Gruppen. Den „Mütterverein“ und einen „Armenseelenverein“ gab es nur noch auf dem Papier, mit liquidationreifen fast leeren Kassen. Für Neugründungen von Standesvereinen wollte man lieber und besser auf Versammlungsräume im Pfarrzentrum warten.
Im Frühjahr 1963, als die Bauplanung und das Genehmigungsverfahren des Kirchengebäudes bewältigt waren und die Vorbereitungen des Baubeginns bald beendet sein sollten, gab Kaplan Steffens dem Erzbischöflischen Gene­ralvikariat zu verstehen, er sehe sich nicht mehr in der Lage, die Doppelbela­stung als Kaplan in Hilden und Pfarrverwalter von Unterbach zu tragen, da die Arbeit hier ständig zunehme und bald auch mit dem Baubeginn zu rechnen sei; eine wirkliche Erneuerung der Pfarre sei nur dann möglich, wenn ein Pfarrer am Ort wohne und die notwendigen Dinge tue.
­Im Sommer wurde pfarramtlich bekannt, daß Pfarrer Aloys Hitpas, nun im 71. Lebensjahr, auf seine Unterbacher Pfarrstelle verzichtet habe und Ende August 1963 in den Ruhestand treten werde.
So endeten die dreißigjährige Ära des Pfarrer Hitpas und auch die drei Jahre Pfarrverwaltung seines Adjutors Kaplan Steffens in Unterbach. Pfr. i.R. Hitpas wurde bis 1965 Subsidiar an St. Engelbert Köln; dann widmete er sich der Krankenseelsorge im St. Josefs-Krankenhaus seiner Heimatstadt Oberhausen, wo er am 2. Juni 1974 starb. Kaplan Steffens wurde im September 1963 Pfarrer an St. Maria in den Benden in Düsseldorf-Wersten.
Und die verwaiste Gemeinde Unterbach ? Sie wartete gespannt auf den, der da als ihr neuer Pfarrer kommen sollte ....

(Quelle: Kirchturmperspektiven/unterbach.com)

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