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Unsere Pfarrgeschichte - Teil 4

Von Bernhard Weitz (mit freundlicher Genehmigung von unterbach.com)

.....erinnern wir uns zuletzt daran, wie Sommer 1963 unser Pfarrer Aloys Hitpas nach Köln in den Ruhestand versetzt wurde, damit auch das Adjutorium des tatkräftigen Kaplans Herbert Steffens endete, die Gemeinde verwaist war und erwartungsvoll, wie alles nun weitergehen sollte. Allgemein war 1963 ein Jahr des Umbruchs, in dem die Ära Adenauer endete, dem ermordeten J.F. Kennedy, US-Präsident Johnson folgte, Johannes dem XXIII. Papst Paul VI.....

Nachdem unsere Pfarrstelle freigeworden war, ernannte der Erzbischof sehr bald zum Pfarrer in Unterbach Walter Groneuer, 1915 in Köln geboren, seit 1940 Priester, zuletzt Rektoratspfarrer in Beuel. Seine feierliche Einführung fand, mangels geeigneter Empfangsräume, am 10.11.1963 im Freien statt, auf dem Carl-Sonnenschein-Schulhof. Ein Stimmungsbild später beim Goldenen Priesterjubiläum

"Als er am Martinsabend zu uns kam, da war er nicht zu Pferde und die arme Gemeinde auch nicht hilftbittend zu seinen Füßen, doch wäre das Bild nicht ganz unpassend gewesen.
Was einen guten, erfahrenen, geduldigen und opferbereiten Pfarrer verlangt, das fand er fast alles bei uns vor:
Eine etwas verfallene und ziemlich renovierungsbedürftige Kirche, die im Konzil ,aufgebrochen' war und, gleichsam unterwegs aus der Wüste, noch einen Moses brauchte.
Die Aussicht aufs gelobte Land hatte auch unser neuer Pfarrer damals nicht, dafür sah er umso deutlicher den ganzen Jammer einer Großbaustelle des Herrn. Er aber nahm alles klaglos auf sich, die großen Aufgaben seiner geistlichen Berufung und ein Übermaß an Baulasten"

Pfr. Groneuer machte in seinem Presseinterview gleich deutlich, wie er Gott und den Menschen von Unterbach dienen wollte:

"In erster Linie fühle ich mich als Seelsorger. Das Bauen führe ich durch, weil es eben notwendig ist. Die alte Kirche ist zu klein, da kann man ja bald nicht mehr reingehen; Die neue wird uns eine wertvolle Hilfe sein, vor allem, wenn auch die geplanten Komplexe Jugendheim, Pfarrbücherei, Kindergarten fertig sind.... Die Neuzugezogenen, hauptsächlich aus Düsseldorf, fühlen sich hier in Unterbach noch nicht recht zu Hause Es soll meine Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß sie sich hier besser einleben und in der Gemeinde eine religiöse Heimat finden.... Gern sehen würde ich, wenn sich die alten und neuen Unterbacher in der Gemeinde zusammenfänden.

Eingedenk der Mahnung des Psalmisten: "Wenn der Herr das Haus nicht baut/bauen die Bauleute vergebens", zog die Gemeinde am 08.12.1963, dem Fest der Immaculata, nach dem Hochamt zur Kirchbaustelle, um dem schon gut begonnenen Rohbau den Grundstein feierlich einzufugen. Gaudens gaudete in Domino, et exsultabit anima mea in Deo meo!

Nach einem Jahr weiterer Mühe und Arbeit war die Kirche "bezugsfertig". Der Pfarrer würdigte das große Weihnachtsgeschenk von 1964 in der Chronik:

"Weihnachten in einer neuen Kirche! Vor allem die mitternächtliche Christmette ist für alle ein einmaliges Erlebnis. So viele Teilnehmer an einem Gottesdienst hat Unterbach noch nicht gesehen! Die durch das Vatikanische Konzil ermöglichte Liturgie läßt sich im neuen Kirchenraum in einzigartiger Weise gestalten........"

und etwas später:

"Am 25.04.1964 feierten wir zum ersten Mal den Weißen Sonntag in der neuen Kirche, welch eine Wohltat! Jetzt können die Kommunionkinder, Eltern und Angehörige endlich ohne Gedränge die Feier miterleben. Die Gestaltung der Feier fand großen Anklang."

Unsere schöne neue Kirche blieb allerdings - bis auf weiteres - von einer Baustelle umgeben, nur auf Knüppeldämmen erreichbar, und ihre Innenausstattung ließ viel zu wünschen übrig.
Dafür und zur Einrichtung der anderen gemeindlichen Neubauten fehlten nötige "Eigenmittel". Der ins Leben gerufene Kirchbauverein sammelte sie fleißig und mit gutem Erfolg.
Am 01.12.1965 wurde der Kindergarten - für neunzig Kinder in drei Gruppen - feierlich eröffnet; und gegen Endes dieses Jahres konnten Pfr. i. R. Dr. Mohnen als Subsidiar und die Küsterfamilie Herbst schöne Wohnhäuser im Pfarrzentrum beziehen. Das alte Pfarrhaus konnte nun ganz zum Kloster "Maria Gnaden" umgebaut werden.

"Im Jugendheim herrschte in den folgenden Jahren reges Leben. Zahlreiche Gruppen von Mädchen und Jungen bevölkerten die Räume"(Chronik)

Allgemein nahm das Gemeindeleben im und um's Pfarrzentrum erfreulich zu, von einem Pfarrausschuß - seit 1969 Pfarrgemeinderat - mitgetragen. Vielseitiger Einsatz lohnte sich nach-und-nach auch sichtbar:

"Nach günstigem Verkauf des alten Kirchengrundstückes, das Erkrath für seinen Kindergarten haben wollte, konnten wir uns einen weithin sichtbaren Kirchturm leisten, der auch ein gut vernehmbares Geläut bekam (1966/67); dem fehlt allerdings heute immer noch die vierte Glocke.
Der Borromäumsverein verhalf uns zur gut eingerichteten Pfarrbibliothek (1968). Und auch der große Orgelwunsch ging, dank eifrigen Sparens in den Orgelfonds, - mit zwanzig Registern - in Erfüllung (1965/1970). Ein würdiger Tabernakel wurde geschaffen und in der Kirche aufgestellt".

Trotz alledem: Pfr. Groneuer war wirklich kein Baulöwe, sondern vor allem ein Seelsorger, als der er auch allgemein anerkannt und beliebt war. Überzeugend und hilfreich war sein priesterliches Wirken in der Gemeinde, aber auch in der damals beginnenden Oekume-vor-Ort. Er erwartete wohl bald, aller Baulasten ledig, sich im neugeschaffenen Rahmen ganz seinen priesterlichen Aufgaben widmen zu können. Man vernahm gelegentlich einen Stoßseufzer, er sei nicht "wegen all dieser Dinge" Priester geworden. Es zogen nämlich ebensolche Wolken am Unterfeldhauser Horizont auf. Pfarrchronik:

"Inzwischen bahnte sich in Unterbach eine ganz neue Entwicklung an. Die Stadt Erkrath stellte für das Gebiet Unterfeldhaus eine neue umfassende Bauplanung auf für zunächst 12 000 Menschen sollen dort Wohnungen geschaffen werden.........

Schon 1970 erwarb die Pfarrgemeinde ein im Planungszentrum gelegenes, 3.500 qm großes Grundstück, was sich als eine gute Vorsorge erweisen sollte. Wegen reger Bautätigkeit ab 1972/73.

"durfte nun auch die Planung eines neuen Gemeindezentrums nicht länger hinausgezögert werden." (Chronik).

Da kam unser guter Pfr. Groneuer zu der Überzeugung, daß eine so umfassende neue Aufgabe seine Kräfte überfordern werde, und bot dem Erzbischof seinen Rücktritt von der Pfarrstelle in Unterbach an. Kardinal Höffner zeigte dafür Verständnis und berief ihn Anfang 1974 auf die Pfarrstelle St. Konrad zu Bergisch-Gladbach-Hand. Am 27.02.1974 verließ Pfr. Groneuer Unterbach.
Pfr. Walter Groneuer war bis zu seinem Ruhestand 1986 Pfarrer an St. Konrad Bergisch-Gladbach-Hand und starb dort in seinem 83. Lebensjahr am 04.02.1998.

Unsere Pfarrgemeinde bleibt ihm, der so vieles bei uns neugemacht, in Dankbarkeit verbunden. (Bernhard Weitz)

(Quelle: Kirchturmperspektiven/unterbach.com)