Unsere Pfarrgeschichte - Teil 2

Von Bernhard Weitz (mit freundlicher Genehmigung von unterbach.com)

Sollen nun im Jubeljahr weitere Erinnerungen an die Jahre folgen, in denen die Kath. Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt Unterbach durch schwere Zeiten fortbestanden hat.
Im deutschen Schicksalsjahr 1933, das die Weltkirche als „Jahr des Kreuzes“ beging, ereignete sich bekanntlich die Machtübernahme der Nationalsozialisten durch Hitler, der sich von der „Vorsehung“ zum Führer aller Deutschen berufen wähnte.

Unterbachs kleine Dorfgemeinde gab ihm zur Reichstagswahl vom 12.03.1933 nur 341 von 1057 Stimmen, dem Zentrum 374, und Gottes Fügung schickte uns durch Kölns Erzbischof sogleich den neuen Pfarrer Aloys Hitpas, übrigens Wunschkandidat der Gemeinde:

„Einem hochwürdigen Generalvikariat, betr. Neubesetzung der Pfarrstelle Unterbach... „Es“ dürfte ein Pfarrer erwünscht sein, der die eigenartigen Verhältnisse unserer Pfarrei mehr oder weniger kennt. Es ist deshalb im Kreis der Unterzeichnenden der Wunsch aufgetaucht, aus den Priestern der benachbarten Pfarreien den Kaplan Hitpas aus Hilden als künftigen Pfarrer zu haben, namentlich deshalb, weil er in Hilden ein großes Gesellenhaus mit glücklicher Hand geleitet hat und deshalb ihnen für die nächste Entwicklung geeignet erschien - Die Unterfertigen möchten diesem Wunsch hiermit in aller Ergebenheit Ausdruck geben, ohne irgendwie der Entscheidung der Erzb. Behörde vorgreifen zu wollen, ohne auch sonst irgendwie beeinflußt zu sein....“

Dieser Eingabe des Kirchenvorstandes, der - bemerkenswerter Weise - respektlose Anspruchhaltung oder gar Aufmüpfigkeit fernli egt, wurde entsprochen und „beim feierlichen Einzug des Pfarrer Hitpas in Unterbach“ berichtet die Tagespresse, „freute sich ganz Unterbach, und alle gelobten sich, ihrem neuen Pfarrer treu zur Seite zu stehen“ dieser wolle sein Seelsorgetätigkeit besonders den Kindern, Armen, Kranken und der-Kirche-Entfremdeten widmen.
Beiderseits ergab sich dazu in über 30 Jahren, in denen der glaubensstark und standhafte Pastor seinen Unterbachern sehr verbunden war, vielfaltig Gelegenheit. Als die braunen Machthaber die Kirche überall aus dein öffentlichen Leben zu verdrängen suchten, war und blieb der „Pastor von Unterbach“ eine volksverbundene und unübersehbare Institution, nicht ohne Originalität, besonders aber wegen seines großen Verständnisses für die Menschen, wie sie so sind, seiner Güte und persönlichen Bescheidenheit; sein (flotter) Beichtstuhl war auch von Ortsfremden gerne gesucht.
Als Not und Bedrängnis, besonders durch den Krieg 1939/45 und seine Folgen schrecklich zunahmen, galt es, wie überall, auch in der Pfarre das Überlebens-Notwendige zu „organisieren“. Als Sohn des Ruhrgebietes besaß unser Pastor eine sehr direkte Art, u.a. bei seinen ehemaligen Hildener Gesellen oder überall sonst, „Quellen anzuzapfen“, aus denen Hilfsmittel flossen, um schwere äußere Kirchenschäden, wie an Dächern und Fenstern, instandzusetzen und sogar 1951/52 erste schlichte Kindergartenräume in einem Barackenbau neu zu schaffen. Da die Nöte auch Beten lehrte, kamen die Leute damals noch zahlreich-regelmäßig zur Kirche. Die von jeher Katholische Volksschule, wo der Pfarrer seit 1937 nicht mehr unterrichten durfte, wurde schon 1946 als solche wiederhergestellt, nachdem der Kath. Arbeiterverein Unterbach sich darum beim Oberpräsidenten der Rheinprovinz bemüht hatte, eindrucksvoll begründet:

„...da wir davon überzeugt sind, daß es ohne wirkliches Christentum und ohne religiöse Erziehung der Jugend keinen dauerhaften Aufbau Deutschlands und der Welt gibt...“

Die (Zivil-)Gemeinde Erkrath - erst 1966 zur „Stadt“ erhoben - ließ durch Abstimmung der Eltern ermitteln, daß 96% für die Wiederherstellung der Kath. Volksschule waren. Seit 1946 durfte Pfarrer Hitpas dort wieder Religionsunterricht geben, 8 Wochenstunden (in 5 Klassen). Für den inneren Wiederaufbau der Pfarrgemeinde war und blieb die Berufung von Ordensschwestern bedeutsam. 1947 kamen zuerst Dominikanerinnen von Arenberg, die ihr Kloster „Maria Gnaden“ in einer bescheidenen Mietwohnung einrichteten. Die Kirche zu Unterbach besaß nur ihr Gotteshaus mit dem Pfarrhaus daneben, beides dauernd und dringlich der Instandsetzung sehr bedürftig, ohne ausreichende Mittel dafür, geschweige für sonstigen notwendigen Bedarf.
Erst 1956/57 konnte das neue Pfarrhaus errichtet, das alte fast baufällige renoviert zum Schwesternkloster sowie einer Küsterwohnung umgestaltet und bezogen werden.
Kloster, Kindergarten und Krankensorge wurden nun von unseren Ordensschwestern der „Mägde Mariens“ aus Breslau übernommen.
Inzwischen hatte in Unterbach eine immer regere Bautätigkeit begonnen, mit der die Einwohnerzahl schnell wuchs. Die alte Kirche war flur die Gottesdienstbesucher bald viel zu klein. Bemühungen in Köln um Abhilfe waren jahrelang so zahlreich, vielseitig und nachhaltig fruchtlos.

„Köln“ erhielt Anfang 1959 von einem damals einflußreichen Düsseldorfer briefliche Denkanstöße.: „....Das Kirchlein ist von einer erschreckenden Bescheidenheit, sowohl was die architektonische Gestaltung als auch die Raumverhältnis für die Gemeinde von 3500 Seelen angeht. Der Pfarrer meinte, in Köln denke man nur an Reparaturarbeiten. Ich würde das für einen großen Fehler halten. Will man dem besorgniserregenden Rückgang im Kirchenbesuch nur einigermaßen begegnen, dann muß man wenigstens dafür sorgen, daß die Gläubigen - oder solche, die es wieder werden wollen - die Sonntagsmesse besuchen können. Das ist in Unterbach nicht einmal für einen Bruchteil der Gemeinde der Fall. Ich halte deshalb einen Neubau für dringend notwendig....“

Durch öffentliche Besiedlungspläne, die den Ortsteil Unterbach von Erkrath bis auf 12.500 Bewohner bringen sollten, und nach sehr hohen Kostenschätzungen einer Renovierungs-Erweiterung der Kirche kam der erwünschte Neubau endlich auch für Köln näher in Betracht. Den aber wollte das Erzb. Generalvikariat, wieder einmal bei „eigenartigen Verhältnissen unserer Pfarre“, nicht ohne weiteres angehen.
Da kam im Herbst 1960 als rettender (Erz) Engel Kaplan Herbert Steffens, Kölner Jahrgang 1924, zum Hilfsvikar des nun bereits 66 Jahre alten Pfarrers bestellt, und mit ihm viel neuer Dampf in die Lokomotive des Gemeindezuges in neue Zeiten.

(Quelle: Kirchturmperspektiven/unterbach.com)

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